Ein Jahr Behindertenwerkstatt - vom Himmel in die Hölle
Ich werde nun mein Versprechen halten und etwas zu meiner aktuellen Arbeitssituation und
meinem Gefühlszustand bloggen.
Seit einem Jahr und einem Monat arbeite ich nun in einer Behindertenwerkstatt. und das kam
so.
Neun Jahre lang hatte ich nach meinem Abbruch der Ausbildung zum Bürokaufmann kaum etwas
gemacht. Ich lebte so in den Tag hinein, und jeder Tag fühlte sich wie der vorherige an.
Besonders schlimm waren die Jahre 2006 und 2007, in denen ich nach einem erfolglosen
Tavorentzug unter schweren Depressionen litt, Alpträume und Horrorvorstellungen litt und
mich in Vierwochenabständen bis zur Besinnungslosigkeit besoff. Es wurde 2008 langsam
besser. Einen richtigen Höhenflug gabs dann im Juli 2010. Ich lernte Nadine nach
jahrelanger Netzbekanntschaft und drei Kurztreffen richtig gut kennen, und wird freundeten
uns an. Diese Freundschaft, dieser Umgang mit nadine, holte mich endgültig aus meinem Tief.
Ich sagte mir: Wenns mir jetzt schon richtig gutgeht, dann mache auch noch was aus deinem
leben. Auch wenn du 35 Jahre bist, kannst du bestimmt noch irgendwo arbeiten. jetzt hast du
die Power, durch dich und Nadine.
Also nutzte ich meinen Anschwung, meine Energie aus. Ich ging zur Arbeitsagentur und fragte
nach, ob ich in meinem Alter noch eine Ausbildung machen könnte. Leider liegen diese
Ausbildungszentren nicht in Hamburg sondern in Düren oder Würzburg. Die zuständige
Sachbearbeiterin gab mir zu verstehen, daß ich mich erstmal wieder an den Arbeitsalltag
gewöhnen sollte. Um dies zu testen, schlug sie mir vor, Bürotätigkeiten in einer Werkstatt
für Behinderte zu leisten. Ich nahm den Vorschlag an, und am 01.11.2010 war es dann soweit.
Ich machte ein Aufnahmeverfahren im Büroservice der Winterhuder Werkstätten, jetzt
Elbewerkstätten. Ich übernahm den Blindenarbeitsplatz, ein für Blinde ausgestatteter
Computer. In den nächsten drei Monaten erledigte ich viele Schreibarbeiten. Ich schrieb
Speisepläne für die Werkstätten in Blindenschrift um, schrieb psychologische Eignungstests
um und erledigte Schreibaufträge für andere Werkstätten mit blinden Mitarbeitern. Und so
ganz nebenbei lernte ich viele neue Leute kennen. Mit den meisten freundete ich mich sehr
schnell an. Und bis heute sind sie meine Freunde geblieben.
Die Abeteilung war bunt gemischt. Da waren Leute mit psychischen Problemen, Lernbehinderte
und Geistigbehinderte. Jeder bekam die Aufgaben zugeteilt die er mit seinen Fähigkeiten
erledigen konnte. Und weil mir diese Arbeit so viel Spaß machte, verzichtete ich darauf
nach Würzburg oder Düren zu gehen. Ich rief also Ende Januar 2011 in der Arbeitsagentur an
und bat darum, verlängert zu werden. Es klappte auch. Ich wechselte vom Aufnahmeverfahren
direkt in den Arbeitsbereich der Werkstatt. Auch hier gibt es einen Büroservice.
So Leute! Bis hierhin war alles Zucker marmelade und Schokolade. Nichts hätte schöner sein
können als so weiterzuarbeiten. Aber ab hier kommt leider schon die Kehrseite der Medalie.
Am 23.02.2011 wechselte ich in den Büroservice des Arbeitsbereiches. Die Leiterin dieses
Bereiches war und ist im höchsten Maße überfordert und unqualifiziert. Als erstes
degradierte sie mich zum Mülltütenfalter, während andere Kollegen die Schreibarbeiten
erledigen durften. Auf meine Anfrage hin, warum ich nicht auch weiterhin schreiben dürfte,
antwortete sie nur: "Wir haben für Blinde keine Aufträge. Außerdem sind die Computer ja
nicht blindengerecht eingerichtet."
Also luden mein Kollege Recep und ich das kostenlose Hilfsprogramm NVDA auf alle drei
Arbeitsrechner. Nun waren sie blindentauglich. Denoch bekam ich auch weiterhin Mülltüten zu
falten. immer wieder beschwerte ich mich aufs Neue, mit dem Endergebnis, daß ich zum
01.05.2011 in eine Verpackungsabteilung abgeschoben wurde. Hatte ich bisher angenommen, ich
wäre schon am Abgrund, so wurde ich nun eines Besseren belehrt. Jetzt hieß es für mich: Von
Rätselheften die erste Seite abreißen und die Hefte in einen Behälter legen. Oder
Madenschauben sortieren; Schrauben, in denen sich eine weitere Schraube befindet in einen
Behälter, Schrauben in denen keine weitere Schraube verschraubt war in den anderen
Behälter. Oder in einen Umschlag zwei Flyer eintüten und ab in den Behälter. Ich wurde
völlig bekloppt und wahnsinnig. Manuela, eine gute Freundin von mir, hatte mich schon
vorgewarnt. "Am Anfang setzen sie dich ein wo du willst, um am Ende darfst du so was machen
wie Handtücher falten." Sie sollte recht behalten. Und zu dieser stumpfen Knastarbeit
gesellten sich 13 stark geistigbehinderte Kollegen, mit denen Konversation treiben
unmöglich ist. Sofort ging ich zum zuständigen Sozialarbeiter, der mich Monat für Monat
weiter und weiter vertröstete. Erst im Oktober gab es ein kurzes Gespräch. Ich sagte klar
und deutlich, daß ich
1. Mitarbeiter um mich herum bräuchte, mit denen man auch mal sprechen kann,
2. ich wieder eine Büroarbeit haben wolle. Egal ob Schreibdienst oder Telefondienst oder
eine Kopplung aus beiden.
Außer ein wenig Verständnis seinerseits kam sonst nichts. Ich solle weiterhin abwarten. Es
würde sich schon demnächst was finden.
Jetzt haben wir den 07.12.2011. Der aktuelle Stand ist, daß ich immer noch in dieser
Höllenabteilung abhänge, ich nur noch frustriert, angefressen und deprimiert bin (leider
auch im Alltag), mich fast nichts mehr aufheitert und ich wiederum vorgestern vertröstet
wurde.
Ich habe einen Betreuer für PPM-Angelegenheiten, also keinen gesetzlichen. Mit ihm werde
ich nun zur Werkstatt gehen und ein Gespräch mit der zuständigen Mitarbeiterin fordern. Was
dabei herauskomm, blogge ich dann hier an dieser Stelle.
Durch meine Depris habe ich es mir vor zwei Wochen schon mit nadine fast versaut. Ich werde
alles daran setzen, die jetzige Lebenssituation zu ändern. So geht das nicht weiter. Neben
der Arbeitssituation denke ich auch nochmal über eine stationäre Therapie in einer
psychosomatischen Klinik nach. Am 19.12. ist Arztgespräch.
Soweit mein aktueller Stand hier im Blog. ich verspreche euch, am Ball zu bleiben und euch
nicht nochmal so lange warten zu lassen.
Letzte Einträge: Meine erste Rückmeldung nach fast einem Jahr Bloggerpause
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Carlo A. (8.12.11 12:41) Oha, hoffe soweit komts bei mir nicht... breche zur zeit auch meine Ausbildung ab, auch wegen psychischen Problemen, Depressionen usw... Hoffe für dich das du da schnell wieder raußkommst, stell mir das furchtbar vor in so einer Abteilung zu arbeiten. |
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Schwedenlady / Website (18.3.12 17:12) Hi, wie geht es Dir jetzt? Dein Eintrag ist schon eine Weile her. Ich wünsche Dir viel Glück! Grüßle, Schwedenlady |
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Heiko F. / Website (5.4.12 21:25) Eigentlich bin ich noch ganz sprachlos. Es ist jetzt ungefähr 16 Jahre her, dass wir zusammen in einer Bude gesoffen haben. Am Anfang deines Berichts hatte ich echt gehofft, du hättest einen -Weg gefunden und eine Werkstatt mit anderen Augen gesehen. Aber dann ... Das ist ja quasi Gehirnwäsche. Da würde wohl jeder irgendwann echt bekloppt werden. Würde dir eigentlich genre helfen, weiß nur nicht wie. |
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blöder arsch / Website (5.5.12 17:32) man büffel deine einträge sind doch dämlich geh auf der lein und bleib dort in watschen depp chat |
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blblblblblb / Website (5.5.12 17:34) blbldfdkfgjgdlkgdgkjldglkdfglksglskdf |
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sfsdfsfsd / Website (5.5.12 17:34) safsdafasfsadfsadfasdfasfasfasdfsdfasdfsadfasfaf |