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Verlorene Brieftasche und eigene Dämlichkeit

Endlich passiert mal wieder was in meinem sonst so unspannenenden, täglich gleich ablaufenden Leben.
Der Grund, warum ich so wenig blogge, ist in einen Bloggeintragvon vor 3 Monaten zu lesen. Und wenn fast jeder Tag gleich abläuft, und ich es auch täglich aufschreibe, so verliere ich gerechtfertigt Leser.
Allerdings hätte ich auf dieses Erlebnis, auf das ich jetzt eingehen werde, auch sehr gerne verzichten können. Am Dienstag, dem 2. Märtz, verschwand meine Brieftasche samt Geld in Höhe von 500 Euro, Personalausweis, Behindertenausweis, Streckenverzeichnis zum Behindertenausweis, die Wertmarke zum Behindertenausweis, die Krankenkarte, die Befreiungskarte zur Krankenkasse und meine Bankkarte.

Wie kam es eigentlich dazu? Auf jeden Fall bin ich selber Schuld daran. Das wird wohl kaum einer meiner Leser mir absprechen können.

Am Dienstag Mittag ging ich zum Imbiss, um dort Mittag zu essen. Sie machen ja auch Hausmansskost. Jeden Tag Currywurst zu essen wäre ja auch ungesund und langweilig. An diesem Tag hatten sie eine Hack-Gemüsesuppe. Ich aß zwei Portionen und trank dazu zwei große Bier 0,4 Liter. Dann kam der Betreiber und Wirt auf die Idee, kostenlos Uzo auszuschenken. Ich nahm das Angebot zu gerne an. Aus einem Uzo wurden 2, dann 3, dann 4. Dann hörte ich auf zu zählen. Und nach jedem Uzo trank ich ein kleines Bier 0,3 Liter. So ganz langsam schwanden mir die Sinne. Uzo wirkt ja nicht sofort. Man kann davon so einiges trinken, bevor die Wirkung sich im Hirn und Restkörper bewirkbar macht.

Inzwischen war es schon 19:30. Meine Handy hatte ich abgeschaltet. Ich wusste schon, dass jeden Augenblick Daniela mich anrufen und mich nerven würde. Also aus mit beiden Geräten! Denn ich wollte unbedingt trinken. Warum ich immer mehr trinken wollte, weiß ich nicht. Könnte mit einer depressiven Phase zu tun haben, die ich seit kurzer Zeit habe. Denn neben den Unmengen an Alkohol verschlang ich innerhalb von vier Tagen vor dem Dienstag 50 mg Tavor und verschlief die Tage. Naja! Das könnte ein weiterer Beweis sein, aus meiner aktuellen Situation herauskommen zu wollen. Kennen es einige Psychos von euch vielleicht? Man will sich ändern, man will eine Situation verändern, aber es ist absolut kein Antrieb da. Und so geht es mir momentan. Es ist für mich kaum überwindbar, irgendwas an meinem Alltag zu verändern. Lieber bleibt man im Alltagstrott, obwoh er nervt und einen ankotzt.

Säufersprücheklopfend und mit dem Versprechen wiederzukommen bezahlte ich meine Zeche. Aber damit hatte ich noch nicht genug. Jetzt war mir dringend danach, nach MCdonalds in die Steilshooper Allee 5 zu fahren. Also rief Berni mir ein Taxi und ich fuhr dorthin. Auch hier hatte ich noch die Fahrt ohne Probleme bezahlt, muß also die Brieftasche dabei gehabt haben. Dann im MCdonalds gab ich eine Bestellung auf. Allerdings fing jetzt an der Uzo so richtig von seiner fiesen Seite zu wirken. Ich konnte kaum noch meine Bestellung aufgeben. Aber irgendwie muß ich es geschafft haben. Man setzte mich auf einen Stuhl und stellte Das Tablett vor mich.

Alles, was ich jetzt erzähle, hat die Überwachungskamera aufgenommen. Davon selbst weiß ich nichts mehr.
Plötzlich fiel ich nach hinten. Ein Schichtleiter von MCdonalds kümmerte sich um mich. Er fragte offenbar, ob ich Hilfe bräuchte. Daraufhin telefonierte er, und ein Notarztwagen kam. Hier kommt noch einmal mein portemonaie ins Bild. Man suchte und fand meine Papiere. Es soll nicht mehr möglich gewesen sein, aus mir meinen Namen herauszubekommen. Als man nun wusste wie ich heiße, nahm man sich mein Handy vor und fragte mich wer denn nun benachrichtigt werden solle. Ich musste noch zwei Namen herausgewürgt haben. Dani und Oli. Wenige Minuten später traten meine Nachbarsfreunde Oli und Ani in den Laden. Noch ein letztes Mal war das Portemonaie zu sehen. Ich klappte es zusammen und steckte es in meine rechte Jackentasche. Danach verließen die beiden Notärzte, Ani, Oli und ich den MCdonalds. Bis dahin muß ich das Teil also noch bei mir gehabt haben. Allerdings, so erzählte Oli mir, stolperte ich über eine Stufe. Hier könnte das Portemonaie herausgefallen sein. Aufgefallen war es niemandem. Und mir schon gar nicht. Ich war wieder mit meiner Lieblingsbeschäftigung im Gange: Laut kreischen, linke Marschlieder singen oder Sauflieder trellern. In jedem Fall tat ich alles, um die Umwelt im Umkreis von 300 m darauf aufmerksam zu machen, dass ich da sei und nun nachhause laufen würde.
Zuhause setzten Ani und Oli mich ab. Ich ging in die Wohnung. Erst ab jetzt wußte ich wieder so langsam, was um mich herum geschah. Ich pfefferte meine Kleidung vollständig durch das Wohnzimmer. Splitternackig fing ich plötzlich an meine Haustürschlüssel zu suchen. Auch meine Tavortabletten waren erstmal weg. Später fand ich die Schlüssel wieder und die Tabletten auch. Aber das Portemonaie war weg. Ich war auf 180. 500 Euro weg, die ich eigentlich noch am Abend in eine Teedose hätte tun wollen, Und alle wichtigen Papiere. Ich zog mich erstmal wieder an und ging mit bulligen Kopfschmerzen schlafen.
Als ich um 12 Uhr erwachte stand mein Betreuer vor der Tür, um noch mal mit mir nach dem Portemonaie zu suchen. Daraufhin erfuhren wir ja, was auf den MCdonaldsbändern zu sehen war.

Es kommt nun eine schweine Arbeit auf mich zu.
1. Am Montag muß ich zum Einwohnerzentralamt. Die müssen feststellen, dass es mich überhaupt gibt, was ohne Ausweis nicht einfach sein wird. Ich soll daraufhin eine Urkunde bekommen, dass ich wirklich ich bin und existiere.
2. Mit dieser Bescheinigung habe ich dann die Möglichkeit, beim Einweohnermeldeamt einen vorläufigen und dann richtigen Personalausweis zu beantragen.
3. Erst dann, ich weiß aber noch nicht wo, kann ich einen Behindertenausweis beantragen.
4. Zuletzt fehlen mir denn das Streckenverzeichnis und die Wertmarke, die ebenfalls neu erstellt werden müssen. Wahrscheinlich beim selben Amt.
5. Eine neue Bankkarte ist bereits in Arbeit. Die bisherige habe ich sperren lassen. Desweiteren existiert noch ein Sparbuch mit 470 Euro. Dieses sperrt ich sofort. Denn das originale Sparbuch ging mir schon vor langer Zeit verloren. In drei Monaten werde ich wieder aufs Guthaben zugreifen können, nachdem mir ein neues Sprarbuch ausgestellt wurde.
6. Die neue Krankenkarte und die neue Befreiungskarte, die mich von Rezeptgebüren und Quartalszehnern befreit, ist ebenfalls in Arbeit.

Alles in Allem ist schon viel los. Ich habe ein sehr hohes Leergeld bezahlt. Die 500 Euro sehe ich nie wieder. Im März muß ich mit 200 Euro leben. Morgen machen mein Nachbarsfreund Volker und ich einen Discountereinkauf. Wir kaufen so günstig wie möglich ein und ich ess nur noch manchmal bei Berni, obwohl er für 6,90 Euro gute Hausmannskost macht. Sollten unvorhergesehene Taxifahrten anstehen, kann ich mir von Dani oder anderen Nachbarn mal einen 50er Leihen, den ich im April, wenn ich wieder ausreichend Geld habe, zurückgeben werde. Und auch in meinem Lieblingskiosk, meinem zweiten Wohnzimmer, kann ich anschreiben wenns dramatisch wird.

Soviel Wirbel um ein verlorengegangenes Portemonaie. Ich hätte nie gedacht, dass es mich mal erwischen würde. Daß die Tasche noch gefunden und beim Fundamt oder der Polizei abgegeben wird, glaube ich nicht. So ein Portemonaie mit 500 Euro ist zu verlockend als es dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Eines habe ich daraus gelernt.
1. Nehme nie mehr Geld mit als du unbedingt benötigst. Solltes du es abgehoben haben bewahre es in einer zweiten Börse oder Teeschachtel auf.
2. In Zukunft sollte ich meine Trinkgelage reduzieren. Ich glaube ja nicht, dass ich nie mehr trinke. Aber 4 Male in 3 Tagen war einfach zu viel. Das werden meine Kumpels, vor allem Dani, nicht mehr lange aushalten.

4.3.10 23:18

Letzte Einträge: Meine erste Rückmeldung nach fast einem Jahr Bloggerpause, Ein Jahr Behindertenwerkstatt - vom Himmel in die Hölle



bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Schwedenlady / Website (11.3.10 19:16)
Hi Büffel, mensch, blöd gelaufen. Beantrage die Behindertensachen Ausweis und Streckenverzeichnis beim Versorgungsamt. Könnt auch bei der Stadt Hamburg gehen, ich muss zum Versorgungsamt. Falls es bei Euch so was nicht gibt... Woher kommen Wertmarke und Blindengeld? Dort beantragen. Echt blöd gelaufen. Viel Glück! Mir ist (fast) so was ähnliches passiert: Habe meine Tassche mit Ernennungsurkunde und allen Unterlagen für meine Beamtenlaufbahn plus ein Diktiergerät in der Telefonzelle stehen lassen. Meine damals neue Wohnung hatte noch kein Telefon. Ich holte eine Freundin von der S-Bahn ab, wollte ihr meine Urkunde zeigen, weg. Aber, das Zeug wurde am nächsten Tag im Landratsamt - meiner Dienststelle - abgegeben. Im Sommer habe ich im Zug eine Leinentasche mit Regencape und meinem Ladegerät vom zweiten Handy liegen lassen. Das hat auch einen Liebhaber gefunden das Zeug. Grüßle, viel Kraft und Kopf hoch, Schwedenlady


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